Gynäkologin Dr. Mattern setzt sich für HPV-Impfung ein

Gegen Unsicherheit gegenüber der HPV-Impfung hilft vor allem, sich gut zu informieren, glaubt die Berliner Gynäkologin Nicole Mattern. Doch um für höhere Impfquoten zu kämpfen, hat sie auch eine ganz persönliche Motivation.

„Feigwarzen“, sagt Nicole Mattern. Im Schnitt einmal pro Woche, so schätzt die Frauenärztin, werde eine Patientin mit der Hauterkrankung in ihrer Berliner Praxis vorstellig. „Das ist eine recht unschöne aber weit verbreitete Begleiterscheinung von Humanen Papillomviren (HPV)“, erklärt Mattern. Dementsprechend aufgeregt seien Frauen oftmals auch.

„Die andere wichtige Folge können Veränderungen der Zellen am Gebärmutterhals sein, die sich in einigen Fällen zu bestimmten Arten von Krebsvorstufen und Krebs wie etwa Gebärmutterhalskrebs weiterentwickeln können“, erklärt die Ärztin. Auch andere Krebsarten können durch HPV ausgelöst werden. Wie sieht also die ideale Vorsorgeroutine ihrer Sicht nach aus? „Regelmäßig, einmal im Jahr zur Früherkennung zu gehen“, rät Nicole Mattern, „und dazu zählt auch die Abstrichuntersuchung am Gebärmutterhals.“ Und natürlich die vorsorgliche HPV-Impfung, um bestimmten HPV-bedingten Krebserkrankungen vorbeugen zu können.

Unwissen über die Risiken durch HPV-Infektionen

Sie sei eine absolute Impfbefürworterin, sagt Nicole Mattern von sich. „Ich empfehle die HPV-Impfung meinen Patient:innen auch, wenn sie bereits älter als 18 sind und sexuell in Kontakt stehen. Selbst dann kann die HPV-Impfung auch noch bestimmten HPV-bedingten Krankheiten individuell vorbeugen“, sagt Mattern.

Humane Papillomviren werden meist über Kontakt mit infizierten Stellen im Intimbereich übertragen und können sowohl bei Männern als auch bei Frauen bestimmte Krebsarten auslösen. Die Impfung kann ihre Wirkung am besten entfalten, wenn sie vor dem ersten Kontakt mit HP-Viren erfolgt. Jedoch kann sie auch im Erwachsenalter individuell noch sinnvoll sein. Selbst wenn es dann schon zu einer persistierenden HPV-Infektion gekommen sein sollte, kann die Impfung trotzdem noch einen Schutz vor den anderen in der Impfung enthaltenen HPV-Typen bieten, mit denen man noch nicht infiziert ist.

„Der häufigste Übertragungsweg für Humane Papillomviren sind sexuelle Kontakte. Kondome können, die Infektionsgefahr zwar verringern, bieten aber keinen absolut zuverlässigen Schutz, da die Viren an Haut- bzw. Schleimhautstellen vorkommen können, die das Kondom nicht abdeckt“, so Nicole Mattern. Aus ihrer praktischen Erfahrung gibt es in der Bevölkerung eine sehr zwiegespaltene Informationslage: Während eine Gruppe sehr gut Bescheid wisse, habe eine andere große Gruppe dagegen noch nie von den Risiken durch HPV gehört. „Wenn man dann Befunde mitteilt, kommt oft die Frage: ‚Was ist das überhaupt‘?“ „Erschreckend“, nennt das die Ärztin.

Ziel-Impfquote noch nicht erreicht

Tatsächlich betrug in Deutschland die Impfquote für eine vollständige HPV-Impfserie bei 15-jährigen Mädchen im Jahr 2023 bundesweit nur 54,6 Prozent. Hiermit ist Deutschland weit entfernt von der von der WHO ausgegebenen Forderung, dass bis zum Jahr 2030 90% aller Mädchen dieser Altersgruppe die vollständige HPV-Impfserie erhalten haben sollen. Jedoch sehe sie einen positiven Wandel in der Impfakzeptanz, besonders in der Altersgruppe zwischen 18 und 26 Jahren. Am besten gegen Unsicherheit helfen Informationen, glaubt Nicole Mattern. „Frauen, die sich sehr unsicher darüber sind, ob sie sich gegen HPV impfen lassen sollen, rate ich, sich grundsätzlich über die Thematik der Humanen Papillom Viren und deren möglichen Folgeerkrankungen noch einmal Gedanken zu machen. Ich halte ihnen ganz klar vor Augen, dass diese HPV-Impfung einen großen Vorteil bringen kann.“

Nach individueller Risikoeinschätzung empfiehlt die Ärztin die Impfung auch Menschen, die in einer festen Beziehung leben und bereits sexuell aktiv sind. Die Impfquoten zu erhöhen, dahinter steckt für Nicole Mattern auch eine ganze persönliche Motivation: „Meine ganz persönliche Motivation, gut über HP-Viren und die Möglichkeit der Impfung aufzuklären, liegt klar auf der Hand: Ich habe selbst an einer Krebserkrankung gelitten, die durch HPV entstanden ist und nur durch eine große Möglichkeit wie die HPV-Impfung können wir es schaffen, zukunftsorientiert solchen Krebserkrankungen vorzubeugen.“

Dr. Nicole Mattern, Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe